Einführung eines „Tech-Help-Buddy“-Systems

Ein praxisorientierter Rahmen für den Aufbau eines Peer-Support-Systems, in dem digital versierte Lernende diejenigen mit digitalen Grundkenntnissen unterstützen und so gegenseitiges Lernen sowie Eigenständigkeit fördern.

DigCompEdu-Kompetenzbereich(e)

Evaluation, Lernerorientierung, Förderung der digitalen Kompetenz der Lernenden

Zeit

Vorbereitung: 30 Min.

Umsetzung: 70 Min.

Progressionsniveau der Lehrkräfte

Einsteiger - Vorreiter

Zielgruppe

Lernende mit grundlegenden oder geringen digitalen Kompetenzen

Niveau der digitalen Kompetenzen

keine

Sprachniveau der Lernenden

A1

🎓 Lernziele

Nach Abschluss der Unterrichtseinheit können die Lernenden:

  • eine digitale Herausforderung oder Lösung effektiv in einer Peer-Support-Umgebung kommunizieren
  • Schritt-für-Schritt-Anleitungen anwenden, um eine grundlegende digitale Aufgabe unter Anleitung von anderen Lernenden zu erledigen
  • Geduld und klare Kommunikation zeigen, wenn sie andere Lernende bei einer digitalen Aufgabe unterstützen

Zutaten

Ressource Anzahl Zweck
Fragebogen zur Vorab-Einschätzung 1 pro Person Ermittlung der digitalen Fähigkeiten und Bedürfnisse für die Gruppenbildung
visuelle Aufgabenkarten 3-5 Sets gängige technische Hilfeszenarien (mit Screenshots/Symbolen)
festgelegter Bereich 1 physischer oder digitaler Raum für die Arbeit von Buddy-Paaren (z. B. eine ruhige Ecke, ein Breakout-Raum)
einfache Feedback-Formulare 1 pro Person Reflexion (mit Emojis oder einfachen Skalen)

Zubehör

  • Geräte: eigene Smartphones der Lernenden oder bereitgestellte Tablets/Computer
  • Software: einfache Kommunikations-Apps (z. B. WhatsApp, Zoom) für Übungszwecke
  • Tool für die Zusammenarbeit: ein gemeinsames digitales Whiteboard oder ein einfaches kollaboratives Dokument (z. B. Padlet, Google Jamboard) zum Teilen von Fragen und Tipps

🥣 Vorbereitung – Vor dem Einsatz im Unterricht

  1. Kompetenzanalyse durchführen: Nutzen Sie einen einfachen, übersetzten Fragebogen, um spezifische technische Schwierigkeiten der Lernenden zu ermitteln (z. B. „Ich brauche Hilfe bei: der Anmeldung an einer Lernplattform, dem Herunterladen einer App, der Nutzung von Videoanrufen“).
  2. „Buddy-Helfer“ gewinnen und einweisen: Sprechen Sie versierte Lernende gezielt und persönlich an. Erklären Sie ihnen ihre Rolle als unterstützende Begleitung – nicht als Lehrkraft – und geben Sie eine kurze Einweisung in geduldige und verständliche Kommunikation.
  3. Kriterien für die Paarbildung festlegen: Die Paare sollten sorgfältig zusammengestellt werden. Berücksichtigen Sie dabei sich ergänzende Persönlichkeiten, gemeinsame Sprachen sowie das Verhältnis zwischen benötigter Hilfe und vorhandenen Kompetenzen.
  4. Unterstützungsmaterialien vorbereiten: Erstellen Sie 3–5 übersichtliche, visuell gestaltete „Technik-Hilfe-Karten“, die auf den bei der Analyse ermittelten häufigen Bedürfnissen basieren. Laminieren Sie diese für die Wiederverwendung.
  5. Klare Grenzen und Ziele setzen: Vereinbaren Sie ein gemeinsames, realistisches Ziel für die erste Sitzung (z. B. „Am Ende soll sich mein Buddy selbstständig im Hochschulportal angemeldet haben“).

🔥 Umsetzung (Im Unterricht / Synchron )

  • Einführung (10 Min.):
  • Erste Übungsaufgabe (15 Minuten):
  • Problemlösung in der Praxis (20 Min.):
  • Gruppenaustausch und Tipps (10 Minuten):
  • Planung des nächsten Check-ins (5 Minuten):

🧂 Differenzierung & Inklusion

  • Visuelle Hilfsmittel: Stellen Sie Aufgabenkarten mit wenig Text zur Verfügung, die nummerierte Screenshots oder allgemein verständliche Symbole verwenden.
  • Sprachliche Unterstützung: Ermutigen Sie dazu, Übersetzungs-Apps gemeinsam als Übung zum Kompetenzaufbau zu nutzen, anstatt sie als Hindernis zu betrachten. Erlauben Sie Tandems, in ihrer gemeinsamen stärksten Sprache zu kommunizieren, um Sicherheit und Klarheit zu fördern.
  • Förderung von „Buddy-Helfern“: Stellen Sie die Rolle der Buddy-Helfer als Gelegenheit dar, wertvolle Coaching- und Führungskompetenzen zu entwickeln und so den eigenen Lebenslauf aufzuwerten.

🥄 Evaluation & Feedback

Instrument/Kriterium Handlung
Beobachtungs- beurteilung Gehen Sie herum und notieren Sie Beispiele für erfolgreiche Erklärungen, Geduld und selbstständiges Erledigen von Aufgaben durch die Mitschüler.
Kompetenzcheckliste Verwenden Sie eine einfache Checkliste anhand der Aufgabenkarten, um den Fortschritt im Zeitverlauf festzuhalten (z. B. „Kann eine Datei an eine E-Mail anhängen: Ja / Mit Hilfestellung / Noch nicht“).
Feedback Verwenden Sie eine Feedback-Karte mit zwei Fragen: „Was ich heute gelernt habe …“ und „Was mein/e Buddy-Helfer/in besonders gut gemacht hat …“.
Erfolge hervorheben Betonen Sie kleine Erfolge, um das Selbstvertrauen der Hilfesuchenden zu stärken.

⚠️ Ethik, Datenschutz & Schutzmaßnahmen

  • Freiwillige Teilnahme: Betonen Sie, dass die Tätigkeit als Buddy-Helfer freiwillig ist und eine respektvolle Rolle darstellt.
  • Datenschutzregeln: Legen Sie eine goldene Regel fest: Passwörter dürfen weder weitergegeben noch abgefragt werden. Buddies leiten die Handlungen auf dem Gerät des Lernenden an.
  • Sicheres Umfeld: Stellen Sie klar, dass die Lehrkraft bei Problemen die letzte Anlaufstelle ist und respektvolle Kommunikation unerlässlich ist.
  • Wohlbefinden: Begrenzen Sie die Dauer der Sitzungen zeitlich, um Ermüdung oder Frustration auf beiden Seiten zu vermeiden.

🍱 Erweiterungen / Weiterverfolgung

  • Buddy-zu-Buddy-Tutorial: Lassen Sie erfahrene Buddy-Helfer ein kurzes Video-Tutorial zu einer nützlichen Fertigkeit für die Ressourcen-Sammlung der Klasse erstellen.
  • Rollentausch: Wählen Sie eine einfache digitale Aufgabe aus, die ein ehemaliger Hilfesuchender inzwischen beherrscht, und bitten Sie ihn, diese einem neuen Lernenden oder sogar seinem ursprünglichen Buddy zu erklären.
  • Community-Hilfe-Board: Richten Sie eine gemeinsame Online-Pinnwand ein, auf der Lernende technische Fragen stellen und andere Antwortvideos oder Tipps posten können, um so ein kontinuierliches Unterstützungsnetzwerk zu fördern.
  • Integriertes Sprachziel: Legen Sie für die nächste Sitzung ein kombiniertes Ziel fest: „Verwende die Wörterbuch-App, um drei neue Wörter aus deinem Berufsfeld zu finden, und teile sie deinem Buddy mit.“

🔗 Fächerübergreifender Bezug

📚 Weiterführende Literatur & Ressourcen

Der Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (DigComp): Eine Referenz für das Verständnis und die Planung der Entwicklung digitaler Kompetenzen.

Strategien für das Lernen mit Unterstützung durch Gleichaltrige (Peer-Assisted Learning): Forschungsergebnisse zu den Vorteilen strukturierten Peer-Learnings – sowohl für die Helfenden als auch für die Lernenden.

Vorlagen: Beispiel-Fragebögen zur Bestandsaufnahme digitaler Kompetenzen sowie visuelle Aufgabenkarten für technische Unterstützung („Tech-Help Task Cards“) sind über Ressourcen-Plattformen der Erwachsenenbildung erhältlich.