KI im Unterricht für erwachsene Migranten – Grundlagen für Lehrkräfte

Ein Einführungsworkshop für Lehrkräfte, der die grundlegenden Argumente für und gegen den Einsatz digitaler und KI-gestützter Werkzeuge in der Erwachsenenbildung für Migranten beleuchtet und so eine kritische, ethische und zielorientierte Basis für die künftige Integration schafft.

DigCompEdu-Kompetenzbereich(e)

Berufliches Engagement, Lernerorientierung, Förderung der digitalen Kompetenz der Lernenden

Zeit

Vorbereitung: 30 Min.

Umsetzung: 90 Min.

Progressionsniveau der Lehrkräfte

Entdecker - Insider

Zielgruppe

Fortbildung für Lehrkräfte

Niveau der digitalen Kompetenzen

keine

Sprachniveau der Lernenden

A1

🎓 Lernziele

Nach Abschluss der Unterrichtseinheit können die Teilnehmenden (Lehrkräfte):

  • mindestens drei potenzielle Vorteile des Einsatzes digitaler Werkzeuge oder KI-Tools zur Verbesserung der Lernerfahrung und der Lernergebnisse erwachsener Migrantinnen und Migranten benennen
  • mindestens drei wesentliche Risiken oder Einschränkungen bei der Verwendung dieser Tools identifizieren, insbesondere im Kontext von Lernenden in vulnerablen Lebenslagen
  • ein einfaches, am Zweck orientiertes („Purpose-First“) Fragenmodell auf ein Unterrichtsszenario anwenden, um vorab zu beurteilen, ob ein digitales Werkzeug oder KI-Tool eine geeignete Lösung darstellt

Zutaten

Ressource Anzahl Zweck
"Warum/Warum nicht" -Handout 1 pro Person Arbeitsblatt mit zwei Spalten, in denen die Teilnehmenden während der Diskussionen Vorteile und Risiken festhalten können
Lerner-Beschreibungen 1 Set pro Gruppe kurze, anschauliche Beschreibungen unterschiedlicher Lernender – unter Hervorhebung ihrer Ziele und Herausforderungen –, um Diskussionen eine konkrete Grundlage zu geben
Entscheidungskarte „Zielorientierung“ 1 pro Person handliche Karte mit wichtigen Reflexionsfragen (siehe Anhang)
Beispiel-Prompt und -Ergebnis für das Tool 3 Beispiele kurze Beispiele für gute, verzerrte und ineffektive KI-Ergebnisse für dieselbe Anfrage (z. B. Generierung eines Vorstellungsgesprächsdialogs).
Haftnotizen & Stifte viele für Brainstorming-Übungen und anonyme Fragen

Zubehör

Geräte: Optional. Es handelt sich um einen diskussionsbasierten Workshop; Folien werden ausschließlich von der Moderation gezeigt Raum: Raumgestaltung für Gruppendiskussionen (Kleingruppen-Inseln oder Sitzgruppen) Plattform: Einfache Präsentationsfolien (PowerPoint/Google Slides)

🥣 Vorbereitung – Vor dem Einsatz im Unterricht

  • Beschreibungen zusammenstellen: Erstellen Sie prägnante, ein Absatz lange Zusammenfassungen von 3–4 typischen Lernendenprofilen und heben Sie deren Ziele und Herausforderungen hervor.
  • Kontrastierende Beispiele vorbereiten: Suchen oder erstellen Sie anschauliche Beispiele für Situationen, in denen KI erfolgreich ist bzw. versagt. Beispiel: Ein optimal auf das Sprachniveau abgestimmter Lesetext im Vergleich zu einer Übersetzung, der kulturelle Nuancen fehlen.
  • Raum vorbereiten: Ordnen Sie die Stühle für die Arbeit in Kleingruppen an. Bereiten Sie ein zentrales Whiteboard oder Flipchart mit einer großen Tabelle vor, die mit „Unsere Hoffnungen / Unsere Bedenken“ überschrieben ist.

🔥 Umsetzung (Im Unterricht / Synchron )

  • (Gesamt: 90 Min.)
  • Teil 1: Realitätsbezug – Die Bedürfnisse der Lernenden (20 Min.)
  • Stille Reflexion (5 Min.): Projizieren Sie zunächst verschiedene Lernenden-Profile (verwenden Sie hierfür die Personas aus dem „AI Cookbook“). Fragen Sie: „Was ist das größte Hindernis, mit dem die jeweilige Person konfrontiert ist?“ Die Teilnehmenden notieren ihre Gedanken auf Haftnotizen.
  • Kleingruppendiskussion (10 Min.): Die Teilnehmenden tauschen sich in Gruppen über ihre Überlegungen aus. Anschließend erhalten sie eine Fallbeschreibung (Lerner-Beschreibung) zu einem Lernenden. Ihre Aufgabe: Sie sollen 2–3 konkrete Ansätze nennen, mit denen sie diesem Lernenden aktuell helfen, sein Hindernis zu überwinden.
  • Kurzer Austausch (5 Min.): Die Gruppen stellen jeweils ein zentrales Hindernis und eine aktuelle Unterrichtsstrategie vor. Die Moderation weist darauf hin, dass Technologie lediglich eine weitere mögliche „Strategie“ in unserem Repertoire darstellt.
  • Teil 2: Chancen und Risiken – Das „Warum“ und „Warum nicht“ erkunden (50 Min.)
  • Brainstorming: Das „Warum“ (20 Min.):
  • Fragestellung: „Wie können uns digitale Werkzeuge oder KI-Tools dabei helfen, die gerade besprochenen Hürden zu überwinden?“
  • Die Teilnehmenden sammeln Ideen in Gruppen und nutzen dafür die „Warum“-Spalte ihrer Tabelle. Impulse geben: Personalisierung? Übungsmöglichkeiten rund um die Uhr? Entlastung der Lehrkräfte bei Verwaltungsaufgaben?
  • Die Gruppen heften ihre besten Ideen an die Seite „Unsere Hoffnungen“ auf der zentralen Pinnwand. Die Moderation gruppiert die Themen (z. B. Effizienz, Zugänglichkeit, Engagement).
  • Kritischer Dialog: Das „Warum nicht“ (25 Min.):
  • Wechsel der Perspektive: „Was bereitet Ihnen Sorgen oder worauf sollten wir achten, wenn wir den Einsatz dieser Tools für unsere Lernenden in Betracht ziehen?“
  • Vorstellung von drei Beispiel-Prompts für die Tools. Zuerst das gelungene Ergebnis zeigen, dann die problematischen. Frage: „Was wäre, wenn eine besonders schutzbedürftige lernende Person nur das voreingenommene Ergebnis zu sehen bekäme?“
  • Die Gruppen sammeln Risiken in der „Warum nicht“-Spalte ihrer Tabelle. Hinführung von einfachen Aussagen wie „es kann falsch sein“ hin zu ethischen Fragen: Datenschutz, digitale Kluft, Entmenschlichung, algorithmische Voreingenommenheit (Bias).
  • Die Gruppen heften ihre Bedenken an die Seite „Unsere Bedenken“ auf der zentralen Pinnwand.
  • Synthese (5 Min.): Die Moderation zieht einen Kreis um die zentrale Pinnwand. „Unsere Aufgabe ist es nicht, uns für eine Seite zu entscheiden, sondern uns in diesem gesamten Spannungsfeld zu bewegen – stets mit dem Wohl unserer Lernenden im Mittelpunkt.“
  • Teil 3: Ein Rahmen für das weitere Vorgehen – Die „Zielorientierung“-Denkweise (20 Min.)
  • Einführung der Entscheidungs-Karte (10 Min.): Verteilen Sie die „Zielorientierung“-Entscheidungs-Karte. Gehen Sie die drei Kernfragen durch und erklären Sie, dass jede davon als Filter dient.
  • Übung anhand eines Szenarios (10 Min.): Stellen Sie ein kurzes Szenario vor: „Sie möchten einen Lernenden bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche unterstützen. Sie ziehen in Erwägung, einen KI-Chatbot für die Durchführung von Probe-Gesprächen einzusetzen.“
  • Die Teilnehmenden diskutieren in Zweiergruppen anhand der Karte: Welches ist das pädagogische Ziel? Wie sieht der Plan für die menschliche Aufsicht aus? Welche Prüfungen hinsichtlich Zugang und Risiken sind vorgesehen?
  • Kurzer Austausch der Erkenntnisse. Es geht nicht um ein Ja oder Nein, sondern darum, die richtigen Fragen zu stellen.

🧂 Differenzierung & Inklusion

  • Für Technikbegeisterte: Lenken Sie ihre Energie darauf, die „Warum nicht“-Spalte eingehend zu analysieren. Fordern Sie sie heraus, das stärkste Gegenargument zu ihrem bevorzugten Tool zu finden.
  • Für Technikskeptiker: Erkennen Sie ihre Bedenken als fachlich und ethisch begründet an. Präsentieren Sie die Sitzung als gemeinsame Erarbeitung von Sicherheitsrichtlinien, die den künftigen Einsatz von Technologie sicherer und effektiver machen.
  • Rahmenbedingungen: Nutzen Sie die „Think-Pair-Share“-Methode und Kleingruppenarbeit, um sicherzustellen, dass auch leisere Stimmen Gehör finden, bevor die Diskussion in der Gesamtgruppe stattfindet.

🥄 Evaluation & Feedback

Bewertungsmethode Instrument / Kriterium
Formativ Qualität der Gruppenbeiträge zur zentralen Tabelle und Tiefe der Diskussion während der Szenariopraxis.
Summativ Fertigstellung der „Warum/Warum nicht“-Tabelle mit klaren, relevanten Punkten in beiden Spalten.
Feedback Umfrage nach der Veranstaltung: „Wie hat der heutige Tag – auf einer Skala von 1 bis 5 – Ihre Einstellung zum Einsatz von KI oder digitalen Werkzeugen bei Lernenden mit Migrationshintergrund verändert? (1 = überhaupt nicht, 5 = grundlegend). Bitte nennen Sie in einem Wort, wie Sie sich jetzt vorwiegend fühlen: [Optimistisch / Zurückhaltend / Neugierig / Überfordert / Sonstiges].“

⚠️ Ethik, Datenschutz & Schutzmaßnahmen

  • Kern der Sitzung: Die gesamte „Warum nicht?“-Diskussion ist eine Übung zu Ethik und Schutzstandards (Safeguarding). Verknüpfen Sie Bedenken ausdrücklich mit der Sorgfaltspflicht.
  • Voreingenommenheit & Falschinformationen: „Wir sind verpflichtet, korrekte Informationen bereitzustellen.“
  • Datenschutz: „Wir sind verpflichtet, die personenbezogenen Daten unserer Lernenden zu schützen.“
  • Digitale Kluft: „Wir sind verpflichtet, niemanden weiter an den Rand zu drängen, der über weniger Zugang oder digitale Sicherheit verfügt.“
  • Kernbotschaft: „Ethische Nutzung ist kein bloßer Zusatz, sondern der erste Prüfstein. Wenn ein Tool den Ethik-Check nicht besteht, spielen pädagogische Vorteile keine Rolle mehr.“

🍱 Erweiterungen / Weiterverfolgung

  • Aktionsforschung: Laden Sie die Teilnehmenden ein, die „Zielorientierung“-Entscheidungskarte zu nutzen, um ein Tool zu bewerten, das ihr Interesse geweckt hat, und anschließend darüber zu berichten.
  • Entwurf von Richtlinien: Nutzen Sie die gemeinsam erstellte Liste „Unsere Bedenken“ als Ausgangspunkt für eine „Charta für den ethischen Einsatz von EdTech“ (für die Klasse oder die Institution).
  • Nächste Sitzung: Diese Grundlage bildet die ideale Ausgangsbasis für Schulungen zu spezifischen Tools und Strategien, bei denen diese jeweils anhand des heute erarbeiteten Rahmens bewertet werden können.

🔗 Fächerübergreifender Bezug

📚 Weiterführende Literatur & Ressourcen

DigCompEdu Framework: Highlight Area 1 (Professional Engagement) and Area 5 (Empowering Learners). https://joint-research-centre.ec.europa.eu/digcompedu_en
UNESCO Guidance on AI in Education: For high-level ethical principles.  https://www.unesco.org/en/articles/guidance-generative-ai-education-and-research
„Warum/Warum nicht“-Tabelle und „Zielorientierung“-Entscheidungskarte: (werden in der Sitzung bereitgestellt).